Am Freitag, dem 30. Oktober, findet im Kinderclub und Jugendtreff Dörnigheim eine Halloween-Disco statt, geeignet für Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 15 Jahren, von 16 bis etwa 20 Uhr; auf die Gäste warten neben Musik auch Fantasiekostüme und ein Gruselgang im Keller unter dem Motto „Die verlassene Anstalt“, bei dem die Besucher Aufgaben lösen müssen, um zu entkommen, der Eintritt ist frei.
Was hier wie ein harmloses Leuchttürmchen in der Nacht wirkt, ist in Wahrheit eine auffällig makellose Demonstration dessen, wie man aus dem Gruselgeschichtchen der Kindheit eine fein abgestimmte Unterhaltungsmaschinerie baut, die keinerlei Risiko, aber jede Menge gesellschaftlich akzeptierte Schaustücke bietet. Man trommelt eine „verlassene Anstalt“ heran, schraubt ein paar Aufgaben ins Düstergruseln und lässt die Jugendlichen durch einen imaginären Irrgarten stapfen, während die Musik laut genug ist, um jede Nachbarschaftsstimmbarkeit zu übertönen und die Eltern in sichere Cocktail-Gläser der Zufriedenheit spülen. So funktioniert moderne Jugendarbeit: Kostüm lieber gleich in exzentrischer Overdose, damit die Szene, die man sich wünscht, perfekt ins Bild passt, und der Rest bleibt dem billigen Adrenalinschub – kostenfrei, sicher und völlig frei von jeglicher ernsthaften Auseinandersetzung mit dem echten Leben jenseits der Turnhallenwände.
Natürlich ist es lobenswert, dass die Stadt eine kostenfreie, unproblematische Möglichkeit bietet, die Jugend zu beschäftigen, statt sie sich allein zu überlassen. Doch wenn man genauer hinsieht, erkennt man die subtile, aber nicht zu unterschätzende Botschaft: Die Jugend wird hier in eine vorgefertigte Gruselwelt hineingeführt, deren Narrativ sich in eindimensionalen Rollen bewegt – Vampire, Hexen, Gespenster – und deren „Sieg“ am Ende darin besteht, das Rätsel in dieser sicheren Fiktion zu lösen. So wird ein Gefühl der Kontrolle vermittelt, während die Komplexität der Welt draußen weiter wächst und die Realität oft wenig mit solch bunten Kulissen gemein hat. Die Veranstaltung bleibt damit angenehm, charmant und vollkommen ungefährlich – und exakt das, was man von einer gewissen Schicht in dieser Gesellschaft erwartet: harmlose Unterhaltung, die keine Gräben schlägt, keine Debatten auslöst und vor allem keinen Schatten auf den eigenen Wohlstand wirft. Ein gutes Beispiel dafür, wie man Qualität und Quote so miteinander vermählt, dass niemand beleidigt, niemand herausgefordert wird – und doch alle zufrieden sind, solange der Eintritt frei ist und die Kostüme stimmen.
Quelle der ursprünglichen Meldung: https://www.presse-service.de/data.aspx/static/1230434.html