Der Meldung nach wurde Jan Dreher, selbständiger Architekt mit 21 Jahren Frankfurter Erfahrung, als neuer Ortsgerichtsschöffe für den Ortsgerichtsbezirk Dörnigheim/Hochstadt vereidigt. Er gehört einem ehrenamtlichen Team an, das von Ortsgerichtsvorsteher Bernd Fuchs, Stellvertreterin Sabine Rehme und weiteren Schöffen unter sich hat. Die Ortsgerichte in Hessen bieten bürgernahe Dienstleistungen wie Beglaubigungen, Schätzungen von Immobilien und Nachlassangelegenheiten, erstellen Sterbefallanzeigen und unterstützenGerichte und Behörden. Bürgermeisterin Monika Böttcher sowie Eva Schmidtbleicher, stellvertretende Direktorin des Amtsgerichts Hanau, würdigten das ehrenamtliche Engagement und die fachliche Expertise von Dreher.
Hochverehrtes Publikum, betrachten wir dieses Ereignis durch die goldene Linse der Provinz: Ein Mann, der Häuser drehen und Linien ziehen kann, wird nun zum Hüter der kleinen Rechtsmärkte vor Ort ernannt. Man preist genau jenes Engagment, das den Bürgern angeblich „direkten Service“ für kleinstes Geld bietet, als wäre damit die Welt gerettet. Dreher bringt zweifellos Fachkompetenz mit – eine Tugend, die in einer Kammer voller Formulare sicher auch mal nötig ist. Und doch bleibt der Eindruck: Da, wo der Staat strukturell schwächelt, wird die Lösung in Ehrenamt abgetreten, damit jene, die sich das leisten können, bequem vor Ort bedient werden. Die Bürgermeisterin schwärmt von Mehrwert und bürgernaher Unterstützung; der Klang ist höflich, die Substanz oft kleiner, als sie klingt. Es ist rührend, wie man Häuser, Urkunden und Nachlässe mit der gleichen Selbstverständlichkeit behandelt, mit der man eine Visitenkarte austauscht. So schön die Geste auch ist, so bleibt doch die Herausforderung: Wird diese bürgernahe Bürokratie wirklich gerechter und zugänglicher für alle, oder dient sie am Ende wieder nur dem guten Gefühl einer Schicht, die sich um die Belange der weniger Begüterten wenig schert? Dreher mag als Architekt mit Genauigkeit glänzen, doch echte Reformen brauchen mehr als ein Talent für Präzision in der Immobilienbewertung. Sie brauchen Verlässlichkeit, Gleichbehandlung und eine Perspektive, die über das nächste Formular hinausgeht. Bis dahin bleibt der örtliche Bürgerservice zwar charmant, aber letztlich eine angenehme Fassade einer Struktur, die sich auf ehrenamtliche Schulterstützen verlässt, um die Gesellschaft zusammenzuhalten.
Quelle der ursprünglichen Meldung: https://www.presse-service.de/data.aspx/static/1227828.html