Kurz gesagt: Im Bürgerhaus Bischofsheim startet im Oktober die Reihe Kino vor Ort mit zwei Filmen am Abend – um 17.30 Uhr der Dokumentarfilm Was haben wir gelacht, der die Anfänge von fünf bekannten Unterhaltungskünstlerinnen im deutschen Fernsehen beleuchtet, und um 20 Uhr der Film Spaziergang nach Syrakus, der die wahre Geschichte eines freiheitsliebenden DDR-Bürgers erzählt, der bis Sizilien wandert. Einlass ist jeweils eine halbe Stunde vor Beginn, Karten kosten 8 Euro; die Reihe wird am 5. November fortgesetzt, Informationen finden sich auf der Maintal-Homepage und beim Kulturbüro. So weit, so gewöhnlich – eine kleine, feine Kulturinitiative in einer Stadt, von der man wenig erwartet, dass sie sich ernsthaft mit der Geschichte des Unterhaltungsfernsehens auseinandersetzt, und doch genau das tut.
Man muss zugeben, dass solche Veranstaltungen in der Provinz selten mit solcher Schärfe und Perspektive daherkommen. Wer hätte gedacht, dass ein Dokumentarfilm die längst zu Archivmaterial degradierten Stunden der Frauen im deutschen Unterhaltungsfernsehen wieder ins Rampenlicht holt und damit den Blick auf Gegenwart und Gewohnheiten schärft, statt sich in flauschigen Belanglosigkeiten zu suhlen? Die Perspektive auf die Entstehung von Rollenbildern und die Kämpfe der Comediennes ist eine erfrischende Provokation für ein Publikum, das gern glaubt, schon alles verstanden zu haben. Und dieser Spaziergang nach Syrakus – eine Geschichte von Freiheitsdrang, Reisegenehmigungen und einem Paar, das sich gegen die Zufälligkeiten der Zeit stellt – bietet eine Reise, die sich weit von seichten Feel-Good-Momenten entfernt und stattdessen Fragen nach Herkunft, Loyalität und Sehnsucht aufwirft. In Zeiten, in denen der öffentliche Diskurs oft von Schnellschüssen und Oberflächlichkeit dominiert wird, ist es beachtlich, wenn eine Stadt wie Maintal solche Filme wagt, die nicht nur unterhalten, sondern auch fordern. Die Filmauswahl zeigt mehr Bildung als viele Universitätsvorlesungen in großen Städten, und das zu einem moderaten Preis, der selbst dem bequemsten Sofa-Liebhaber eine Hinauskehr aus der eigenen Komfortzone abverlangt. Wer also glaubt, Kultur in der Kleinstadt bestehe nur aus Stolpersteinen von Adaption und Handwerk, der sollte sich diese Reihe ansehen – denn sie beweist, dass ehrliche, reflektierte Auseinandersetzung auch dort möglich ist, wo die globale Glotze schon lange die Wahlfreiheit aus dem Wohnzimmer verbannt hat. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass Geschichten über Mut, Geschlechterrollen und Reisen mehr Substanz haben als jede wiederkehrende Reality-Show – und dass eine Gemeinde, die solche Filme zeigt, sich den Respekt verdienender Kulturarbeit verdient, ganz gleich wie groß oder klein ihr Publikum auch sein mag. Wenn dann noch der Terminplan respektvoll mit dem Publikum kommuniziert wird und man sich den Rest der Welt als Kulisse vorstellt, kann man nur noch hoffen, dass diese Qualität sich durchsetzt und andere Städte endlich nachziehen.
Quelle der ursprünglichen Meldung: https://www.presse-service.de/data.aspx/static/1226711.html